René Staud gilt als der bekanntesten und besten Auto-Fotografen der Welt. Der BAVARIA-Kunde gibt im Interview einige Einblicke in sein sehr bewegtes Berufsleben.

Herr Staud, Sie sind ausgewiesener Classic Car-Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung. Sind Oldtimer per se ein gutes Investment?
Wenn ich da emotional rangehe, natürlich. Es macht unheimlich viel Freude, mit alten Autos zu fahren, sie mitunter zu reparieren und bei Veranstaltungen Gleichgesinnte zu treffen. Möchten Sie mit Autos quasi nur Geld verdienen, also einen veritablen Wertzuwachs erfahren, wird die Sache schwieriger.
Inwiefern?
Fahrzeuge, die hohe Summen erlösen, haben oft eine interessante Geschichte. Da ist zum Beispiel ein Rennwagen wie der Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut, der zwar nie ein Rennen bestritten hat, und jetzt zum teuersten Automobil wurde. Und dann die vielen 300 SL Flügeltürer mit sehr bekanntem Vorbesitzer, wenn sie dann original sind mit der richtigen Story eine sensationelle Wertentwicklung, solche Fahrzeuge waren und sind sehr gefragt. Und natürlich die Ferraris, damit macht man eigentlich nie einen Fehler (schmunzelt).
Welche Autos werden denn in Zukunft gefragt sein?
Wenn ich das nur jetzt schon wüsste (lacht). Ich kann mir allerdings vorstellen, dass man mit dem 911 Porsche der Baureihen 993, 996 und 997 keine allzu großen Fehler macht. Zudem sind diese Modelle ja wunderbar zu fahren und müssen nicht ständig in Garagen verharren. Und auch die Cabrios und Coupés von Mercedes-Benz bis zum Baujahr 2000 sind einen Blick wert und zum Fahren ja eh ein Genuss.
Sollten Classic Cars eigentlich regelmäßig bewegt werden?
Ja, unbedingt, das sollten sie. Es gibt nicht von ungefähr die Aussage, dass sich Autos quasi „kaputtstehen“ können. Ein wenig Sachverstand sollte man indes auch haben, wenn man sich einen Oldtimer zulegt. Und regelmäßig zum Kundendienst fahren, der einen darauf aufmerksam macht, welche Teile eventuell ersetzt werden müssen.
Sie haben als einer der bekanntesten Auto-Fotografen der Welt ständig hochwertige Modelle im Studio. Welches war das ungewöhnlichste?
Es gibt so einige Beispiele, die mir einfallen. Exemplarisch kann ich vielleicht den 300SLR aus dem Jahr 1955 nennen, der kürzlich für 135 Millionen Euro versteigert wurde. Das teuerste Auto der Welt hatte ich das erste Mal 1983 bei mir im Studio, inzwischen wäre das nicht mehr möglich; allein die Transportversicherung würde ein Vermögen verschlingen.
Auch die Corona-Zeit war aus meiner Sicht ganz besonders, denn als das Porsche Museum für das Publikum geschlossen wurde, bekam ich die Gelegenheit, endlich mal alle Porsche Le Mans-Sieger zu fotografieren Das war ein wirklich tolles Geschenk an mich, daraus ist inzwischen ein unglaubliches Buch entstanden.
Wer lässt denn überhaupt bei Ihnen seine Autos fotografieren?
Das sind natürlich die Hersteller selbst, inzwischen aber auch viele Privatsammler. Diese kann man leicht gruppieren, es gibt Kunden, die von ihrem Auto gerne einige schöne Bilder hätten, dann solche, für die wir ein ganzes Buch über das jeweilige Fahrzeug machen. Und dann aber auch die Sammler, für die wir mitunter 30 oder noch mehr Autos fotografieren, je nach Größe der Sammlung. Die Motivation ist ganz unterschiedlich und reicht von Erinnerungsstücken bis hin zu Dokumentationen, die als Grundlage für einen späteren Verkauf der Fahrzeuge dienen sollen.
Mehr über René Staud unter: https://renestaud.com/