Bessere Assets als ein Riva-Runabout aus Mahagoni sind wahrscheinlich nur eine Immobilie in Monte-Carlo oder ein Diamant in veritabler Größe. Jetzt stehen wieder zahlreiche Treffen der Klassiker an. Versichert sind die meisten bei der BAVARIA AG.
Diese legendäre Geschichte beginnt im Jahr 1822, als ein gewisser Pietro Riva in Laglio (bei Como) geboren wird, und damit ein Jahrhundert vor einem gewissen Carlo Riva, von dem hier später noch die Rede sein wird. Pietro jedenfalls erbt die Kunst des Tischlerhandwerks von seinem Vater, lässt sich am norditalienischen Lago d‘Iseo nieder, beginnt mit der Reparatur von Fischerbooten und transferiert diese maritime Leidenschaft auf Söhne und Enkel. Zunächst ist es Ernesto Riva, der die kleine Werft Pietros in Sarnico weiter ausbaut, die von Pietros Enkel Serafino dann auf die nächste Stufe gehoben wird.

Anfang des 20. Jahrhunderts entsteht in Europa nämlich unter den gut Betuchten der damaligen Zeit eine Racing-Szene für Motorboote, von der Serafino magisch angezogen wird. Geschwindigkeit auf dem Wasser fasziniert ihn und so beteiligt er sich an den ersten Außenborder-Rennen, die er sowohl als Konstrukteur als auch als Fahrer bestreitet. Er ist durchaus erfolgreich und so dauert es nicht allzu lang, bis Serafino nahezu alle ambitionierten Rennfahrer mit dem Bau maßgeschneiderter Boote beauftragen.

Erst der Zweite Weltkrieg setzt dieser Erfolgsstory ein Ende, bis eben ein gewisser Carlo Riva auf den Plan tritt. 1922 geboren, hilft er schon als Zehnjähriger in der Werft, ist fasziniert und erkennt einige Jahre nach Kriegsende dann seine Chance. Rivas Idee ist es, Boote zum „reinen Vergnügen“ zu bauen, letztlich also Vorläufer der heute populären Daycruiser, und das in Serie. Außerdem müssen seine Kreationen einen außergewöhnlichen Look besitzen, denn in der Nachkriegszeit sind die Menschen, so empfindet es Riva, schlichtweg hungrig nach Design, nach Schönheit, nach einem positiven Lifestyle. Riva ist dabei kein Parlierer, sondern ein Macher – gestützt vom Darlehen eines Kunden liefert er: bis zu 19 Mal lackiertes Tropenholz, hochwertige Polsterungen, Textilien mit Monogramm, Kristallgeschirr, starke Achtzylinder mit hoher Leistung und damit auch Geschwindigkeiten, die einem das Adrenalin in die Adern schießen lassen. Boote von Riva bekommen ein unverwechselbares Styling und ein striktes „Made in Italy“-Siegel auferlegt. Die eleganten Modelle – Rumpf und Aufbauten aus edlem Mahagoni, besetzt mit chrom-blitzenden Beschlägen und Instrumenten – treffen den Nerv der Zeit.

Und so gesellten sich zu den Rennbooten von Serafino Riva nun die ersten Runabouts von Carlo Riva: Corsaro und Ariston heißen die ersten Modelle, es folgen unter anderem die Tritone und die Florida. Bald fertigen 290 Arbeiter 300 Boote pro Jahr, effizient und ergebnisorientiert; und ihr Chef kauft Mahagoni als gäbe es kein Morgen mehr.
Ab 1956 arbeitet Carlo Riva dann eng mit dem Designer und Architekten Giorgio Barilani zusammen. Er trägt entscheidend zur Entstehung einer Legende bei, als 1962 auf der dritten Mailänder Bootsmesse die Aquarama präsentiert wird. Es ist der Startschuss für eine Ära, in der Riva wahrscheinlich zur ersten Lifestyle-Marke des Yachtings wird. Carlo Riva setzt auf emotionales Marketing, pflegt die Nähe zur Prominenz und hat damit Erfolg.
Es sind Geschichten wie die folgende, die den Ruf von Riva als Jetset-Marke immer weiter zementieren. Saint-Tropez, Mitte der 60-er Jahre: Gunter Sachs, weltbekannter Playboy und Fotograf (was muss hier zuerst stehen?), dreht den Zündschlüssel seiner Riva. Statt der üblichen Bootsschuhe, Shirt und Shorts trägt Sachs heute einen Smoking. Sein Ziel: Heute endlich das Herz der von ihm angebeteten Frau gewinnen. Aus einem Hubschrauber hat er bereits Rosen auf das Anwesen von Brigitte Bardot regnen lassen, das Verführungsfinale soll nun auf dem Deck seiner Riva folgen. Dass die Bardot seekrank werden oder wasserscheu sein könnte, davor muss Sachs keine Angst haben. Sie selbst fährt die „Super Florida“ der italienischen Riva-Werft. Was dann bei Sachs an Bord passierte, darüber existieren nur Gerüchte, nicht alle wirklich jugendfrei. Angeblich ist es aber dank dieses Ausflugs um die BB geschehen.

Ein Mahagoni-Runabout aus Sarnico gehört dann vor allem in den 1960-er und 1970-er Jahren zum Lifestyle des Jet-Set. Riva-Besitzer, das sind nicht so sehr Bootsenthusiasten oder Menschen, die auf einen anständigen Kosten-Nutzen-Faktor setzen. Es sind die Schönen und Reichen, die Filmstars, die partyfreudigen Industriellen, die Playboys und Royals der Wirtschaftswunderzeit. Insbesondere das Modell Aquarama hat es der illustren Klientel angetan: acht Meter lang, zweimotorig, bis zu 50 Knoten schnell. Sophia Loren kauft eine, Peter Sellers, König Hussein von Jordanien, der Aga Khan, Friedrich Karl Flick sowie Max Grundig. Ferruccio Lamborghini, bekennender PS-Fanatiker, lässt sich ebenfalls vom Erwerb überzeugen und gibt seine Aquarama 1968 in Auftrag. Er beschließt allerdings, dem Boot seinen eigenen Stempel aufzudrücken, indem er zwei Lamborghini 4.0L V12-Motoren einsetzen lässt. Lamborghini kauft damit, unwissentlich, eine der letzten Einheiten der goldenen Riva-Ära.
Bis 1969 funktioniert der Run auf die Runabouts aus Sarnico. Es ist die Zeit als die Gewerkschaften Italiens zum Umsturz des Systems aufrufen und auch Carlo Riva sich zermürbenden Streiks ausgesetzt sieht. Irgendwann hat er davon genug. Da ein Sohn als Nachfolger fehlt und die Kauf-Interessenten Schlange stehen, stößt er die Werft an den amerikanischen Misch-Konzern Whittaker ab, der später an die britische Vickers-Gruppe verkauft. Es ist der Untergang der Holz-Ära bei Riva. Die Vickers-Leute sehen im Kunststoff die Zukunft des Bootsbaus. Und so wird 1996 die letzte „Aquarama“ beplankt.
Vier Jahre später soll dann ein komplett neues Kapitel für die 1842 gegründete Werft beginnen. Zur Jahrtausendwende, als sich der Ferretti-Konzern (unter anderem Ferretti Yachts, Itama, Custom Line, CRN) die vielleicht interessanteste Bootsmarke der Welt einverleibt und entscheidet, auch fortan keine Rivas aus Holz mehr anzubieten, schlagen selbst nicht ganz so enthusiastische Yacht-Aficionados die Hände über dem Kopf zusammen. Insgeheim geben viele der Marke keine große Chance, an ihre ruhmreichen Zeiten anzuknüpfen.
Allerdings ist der Ferretti-Konzern in der Yachtbranche indes nicht so bedeutend geworden, insbesondere in den vergangenen Jahren, weil er alles falsch gemacht hat. Als der aktuelle CEO Alberto Galassi seinen Job antritt, ist ihm sofort klar, welches Juwel er mit Riva in seinem Portfolio hat und kürt die Werft aus Sarnico zu einer der wichtigsten wenn nicht gar der wichtigsten Marke des Konglomerats. Riva entwickelt mit Modellen wie Iseo, Dolceriva, Ribelle oder Argo Boote und Yachten, die nicht nur Kenner mit der Zunge schnalzen lassen. Die Linien, die nahezu ausschließlich Officina Italiana Design entwickelt, sind so elegant, schnittig und irgendwie – ja – einfach italienisch, dass sie der Markt beziehungsweise die Kunden begeistert aufnehmen und damit Riva zu einem komplett neuen und moderneren Image verhelfen. Mit Galassi, der die Ferretti-Gruppe wieder profitabel gemacht hat und dem Investor und Berater Piero Ferrari wagt man sich mit Riva gar ins Terrain der Superyachten vor. 50 Meter misst die größte je gebaute Riva inzwischen.
Carlo Riva, Gott hab‘ ihn selig, verabschiedete sich nach dem ersten Werftverkauf übrigens aus dem aktiven Geschäftsleben – aufs Altenteil jedoch noch lange nicht. 1998 gründet er die „Riva Historical Society“, einen Verein für Eigner hölzener Rivas, die heute eher zur Spezies „bootsverrückt“ gehören als „berühmt und schön“ sind. Auf Treffen zwischen Schweden und Italien, aber auch am kalifonischen Lake Tahoe, bewahren sie den Mythos.
Wer die legendären Boote, technisch gesehen, am Leben erhält, sind verschiedenste, hoch spezialisierte Betriebe. Im Hamburger Vorort Wedel, in der Tischlerei Gutschow, standen etwa schon Rivas, die man – mit gesundem Menschenverstand betrachtet – eher im Kamin verfeuern würde, als sie wieder aufzumöbeln. Die Boat Lounge in Berlin ist ebenfalls eine renommierte Adresse, Nautica Feltrinelli am Gardasee in Hamburg sowieso, Poroli Special Boats am Lago Maggiore und natürlich der Monaco Boat Service im Fürstentum und direkt am Port Hercules gelegen.
Als Carlo Riva in den späten 1950er Jahren das Fürstentum am Mittelmeer für sich und seine hölzernen Runabouts entdeckt, staunt er nicht schlecht: Der Ort und seine solventen Einwohner scheinen perfekt zu seinen Aristons und Tritones zu passen, nur der Hafen bietet überhaupt keine geeigneten Plätze, um die grazilen Boote anzulegen, zu warten oder zu lagern. Riva erhält deshalb von Fürst Rainier III, einem bekennenden Liebhaber der hölzernen Runabouts, die Genehmigung, in den Felsen, auf dem oben der Fürstenpalast thront, ein Lager zu sprengen. Um die filigranen Mahagoni-Bauten im manchmal kalten und feuchten Winter an der Côte d‘Azur zu stauen, entsteht ein rund hundert Meter langer, zehn Meter breiter und etwa sechs Meter hoher Tunnel mit Platz für etwa 50 Boote auf zwei Etagen – eine Schatzkammer für ein paar Dutzend Aficionados.

Lia Riva, die Tochter Carlo Rivas, führt heute die Geschäfte des Monaco Boat Service und bewahrt damit gewissermaßen das Erbe ihres Vaters, ihres Großvaters und Urgroßvaters. Die alten Modelle, so Lia Riva, seien „Hafen-Gold“. Je nach Modell und Erhaltungszustand beginnen die Preise bei 70.000 Euro, können aber auch leicht 600.000 Euro und noch höhere Summen erreichen. In den Hinterkopf bei diesem Investment gehört dabei immer, dass es keinen Nachschub mehr geben wird. Man ist einer von nur 2000 Rivarista.
Größter Versicherer für klassische Rivas in Europa ist übrigens die BAVARIA AG. Weitere Informationen über unseren Service auf unserer speziellen Riva-Seite: https://www.bavaria-ag.de/riva/